{"id":10308,"date":"2018-10-08T15:28:21","date_gmt":"2018-10-08T13:28:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.studyhelp.de\/online-lernen\/?page_id=10308"},"modified":"2018-11-19T14:40:20","modified_gmt":"2018-11-19T13:40:20","slug":"erblich-bedingte-verhaltensweisen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.studyhelp.de\/online-lernen\/biologie\/erblich-bedingte-verhaltensweisen\/","title":{"rendered":"Erblich bedingte Verhaltensweisen"},"content":{"rendered":"<p>Unter erblich bedingen Verhaltensweisen versteht man Handlungen, die ein Individuum bereits seit der Geburt in sich tr\u00e4gt und die damit nicht erlernt werden m\u00fcssen. Auch ohne den Einfluss von Eltern oder sonstiger Sozialisation werden diese Verhaltensweisen beherrscht.<\/p>\n<h2 id=\"unbedingter-reflex\" class=\"anchor\">Unbedingter Reflex<\/h2>\n<p>Ein Reflex ist eine Reaktion auf einen bestimmten aufl\u00f6senden Reiz, die unter den gleiche Bedingungen immer wieder auftritt. Die Reaktion ist meistens unbewusst, unwillk\u00fcrlich und beliebig oft wiederholbar. Das Bewusstsein und der eigene Wille sind bei der reflexartigen Reaktion oft nicht beteiligt. Viele Reflexe dienen besonders als Schutzfunktion. Ein Reflex l\u00e4uft immer nach einem klaren Reiz-Reaktions-Schema ab, dem sogenannten Reflexbogen:<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter  wp-image-11351\" src=\"https:\/\/www.studyhelp.de\/online-lernen\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Verhaltensbiologie.jpg\" alt=\"Verhaltensbiologie\" width=\"583\" height=\"206\" srcset=\"https:\/\/www.studyhelp.de\/online-lernen\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Verhaltensbiologie.jpg 1013w, https:\/\/www.studyhelp.de\/online-lernen\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Verhaltensbiologie-300x106.jpg 300w, https:\/\/www.studyhelp.de\/online-lernen\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Verhaltensbiologie-768x271.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 583px) 100vw, 583px\" \/><\/p>\n<p>Der Reiz wird von einem Rezeptor wahrgenommen und dann in elektrische Signale umgewandelt. Diese werden dann \u00fcber die afferenten Bahnen direkt zum Zentralnervensystem weitergeleitet. Bei Reflexen geht es h\u00e4ufig darum, dass sehr schnell reagiert wird. Daher f\u00fchren die Bahnen hier oft nur bis zum R\u00fcckenmark, statt bis zum Gehirn. Im R\u00fcckenmark wird dann auf eine efferente Bahn umgeschaltet, die vom Zentralnervensystem weg und hin zum Zielorgan f\u00fchrt und dort die Endhandlung, also die Reaktion, ausl\u00f6st. Wenn die Umschaltung von afferente auf efferente Bahn nur \u00fcber eine Synapse l\u00e4uft, wird der Reflexbogen als monosynaptisch bezeichnet. Hier ist die Reaktionszeit dann besonders kurz.<\/p>\n<p>Bei Reflexen werden zwei verschiedene Arten unterschieden. Dies geschieht anhand der Lage von Rezeptor und Effektor: Beim sogenannten Eigenreflex liegen sowohl der Rezeptor als auch das Erfolgsorgan im selben Organ, w\u00e4hrend sich beim Fremdreflex beides in verschiedenen Organen befindet. Wenn es sich um einen Fremdreflex handelt, sind oft mehrere Interneuronen zwischen afferenter und efferenter Bahn geschaltet, sodass es sich dann nicht um einen monosynaptischen, sondern einen polysynaptischen Reflex handelt. Letztere haben eine etwas l\u00e4ngere Reaktionszeit.<\/p>\n\n<h2 id=\"instinkthandlung\" class=\"anchor\">Instinkthandlung<\/h2>\n<p>Unter einer Instinkthandlung werden ebenfalls angebotene Verhaltensweisen verstanden, die unter den gleichen Bedingungen immer wieder in gleicher Form ablaufen. Die drei Phasen einer Instinkthandlung nennt man Appentenzverhalten, Taxis und Endhandlung.<\/p>\n<p>Auch hier ist ein ausl\u00f6sender Reiz von N\u00f6ten, jedoch spielt auch die innere Bereitschaft des Individuums eine wichtige Rolle. Hierbei spricht man von der doppelten Quantifizierung: Nur, wenn beide Faktoren gegeben sind, wird in einem Individuum eine Instinkthandlung ausgel\u00f6st.<\/p>\n<p>Die innere Bereitschaft wird zum Beispiel vom F\u00fcllzustand des Magens, von der Konzentration von Sexualhormonen oder auch von biologischen Rhythmen, wie dem Tag-Nacht-Rhythmus, beeinflusst. Wurde die Endhandlung der Instinkthandlung erfolgreich ausgef\u00fchrt, sinkt in der Regel die innere Bereitschaft und das Verhalten wird nicht direkt noch einmal ausgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Eine besondere Rolle bei instinktivem Verhalten haben sogenannte Schl\u00fcsselreize. Darunter versteht man charakteristische Reize, die die Voraussetzungen erf\u00fcllen, um ein Instinktverhalten auszul\u00f6sen. Simuliert man die charakteristischen Merkmale eines solchen Schl\u00fcsselreizes, zum Beispiel mit einer Attrappe, k\u00f6nnen diese Instinkthandlungen trotzdem ausgel\u00f6st werden.<\/p>\n<h2 id=\"forschungsm\u00f6glichkeiten\" class=\"anchor\">Forschungsm\u00f6glichkeiten<\/h2>\n<p>Um erbbedingtes Verhalten bei Tieren nachweisen zu k\u00f6nnen, gibt es verschiedene Methoden. Eine erste und relativ unaufwendige ist die Beobachtung von Tieren unter nat\u00fcrlichen Bedingungen. Junge Tiere haben noch keine M\u00f6glichkeit gehabt etwas zu lernen, weshalb man davon ausgehen kann, dass die Verhaltensweisen, die kurz nach der Geburt bereits ausgef\u00fchrt werden, angeboren sind. Auch eine Synchronit\u00e4t bei der Ausf\u00fchrung der Verhaltensweisen bei allen Individuen deutet auf eine genetische Grundlage hin.<\/p>\n<p>Eine weitere Methode, auch erst sp\u00e4ter im Leben auftretende Verhaltensweisen auf eine genetische Veranlagung hin zu pr\u00fcfen, sind sogenannte Isolationsexperimente. Isoliert man Jungtiere direkt nach der Geburt, haben sie keine M\u00f6glichkeit, w\u00e4hrend der Entwicklung etwas von ihren Eltern oder anderen Individuen der Gesellschaft zu lernen. Daher zeigen sich hier besonders die angeborenen Verhaltensweisen.<\/p>\n<p>Auch beim Menschen lassen sich einige Untersuchungen zu erblichbedingtem Verhalten durchf\u00fchren, die weniger rabiat sind, als eine Isolation kurz nach der Geburt. Die Beobachtung von blind und\/oder taub geborenen Kindern zum Beispiel erm\u00f6glicht es, bestimmte Verhaltensmuster wie Mimik oder Gestik auf eine gemeinsame genetische Komponente hin zu \u00fcberpr\u00fcfen, da diese Kinder viele<br \/>\nVerhaltensweisen nie durch andere Lernen konnten. Auch Verhaltensweisen, die in fast allen Kulturen der Menschheit homolog sind, wie ein L\u00e4cheln, deuten auf eine genetische Grundlage hin.<br \/>\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter erblich bedingen Verhaltensweisen versteht man Handlungen, die ein Individuum bereits seit der Geburt in sich tr\u00e4gt und die damit nicht erlernt werden m\u00fcssen. Auch ohne den Einfluss von Eltern oder sonstiger Sozialisation werden diese Verhaltensweisen beherrscht. 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