{"id":10313,"date":"2018-10-08T15:38:01","date_gmt":"2018-10-08T13:38:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.studyhelp.de\/online-lernen\/?page_id=10313"},"modified":"2018-11-19T14:43:16","modified_gmt":"2018-11-19T13:43:16","slug":"sozialverhalten","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.studyhelp.de\/online-lernen\/biologie\/sozialverhalten\/","title":{"rendered":"Sozialverhalten"},"content":{"rendered":"<p>Alle Lebewesen besitzen ein, meist f\u00fcr eine bestimmte Art charakteristisches Sozialverhalten. Dieses dient der Verst\u00e4ndigung untereinander oder mit anderen Arten und kann verschiedenen Zwecken dienen.<\/p>\n<h2 id=\"kooperation\" class=\"anchor\">Kooperation<\/h2>\n<p>Eine Kooperation von Individuen kann sich auf viele verschieden Dinge, wie zum Beispiel den Nahrungserwerb, Schutz und Verteidigung oder Fortpflanzung, beziehen. Bei einem Zusammenschluss zu einer gr\u00f6\u00dferen Gruppe kommt es innerartlich zwar zu einer Konkurrenz um Nahrung oder Habitate, allerdings scheint die Sicherheit vor Feinden diesen Nachteil aufzuwiegen. Dabei m\u00fcssen immer die Kosten und die Nutzen von einer Verhaltensweise miteinander in Einklang gebracht werden.<\/p>\n<p>Eine besondere Form der Kooperation ist altruistisches Verhalten. Darunter versteht man besonders gemeinn\u00fctziges, selbstloses Verhalten von Individuen, die ihr eigenes Wohl f\u00fcr das der Gruppe zur\u00fcck stellen. Dieses Verhalten muss immer im Zusammenhang mit den Verwandtschaftsverh\u00e4ltnissen betrachtet werden, da aufgrund der Individualselektion jedes Individuum sich so verh\u00e4lt, dass seine eigenen Gene m\u00f6glichst erfolgreich weitergegeben werden. Das altruistische Verhalten sorgt in F\u00e4llen, in denen die eigenen Fortpflanzung nicht stattfindet, daf\u00fcr, dass die Gene zumindest \u00fcber Verwandte weitergegeben werden.<\/p>\n<p>Der Biologie William Hamilton f\u00fchrte daf\u00fcr den Verwandtschaftskoeffizienten r an. Damit beschreibt er ein Ma\u00df f\u00fcr den Anteil gemeinsamer Gene. Bei der sexuellen Fortpflanzung betr\u00e4gt der Verwandtschaftskoeffizient zwischen den Eltern und dem Kind r = 0,5, da 50% der Gene vom Vater und 50% der Gene von der Mutter stammen. Zwischen Geschwistern betr\u00e4gt r ebenfalls 0,5, zwischen Gro\u00dfeltern und Enkeln 0,25. Ein wichtiger Begriff in diesem Zusammenhang ist der Begriff der Fitness. Darunter versteht man die F\u00e4higkeit, zu \u00fcberleben und seine Gene an die n\u00e4chste Generation weiterzugeben. Die Gesamtfitness setzt sich aus der direkten Fitness (eigene Fortpflanzung) und der indirekten Fitness (Gene, die durch Verwandte in die n\u00e4chste Generation weitergegeben werden) zusammen. Ein Individuum erh\u00f6ht durch altruistisches Verhalten nicht seine direkt Fitness, sondern vor allem die indirekte Fitness.<\/p>\n<p>Eine sehr extreme Form der Kooperation ist die Eusozialit\u00e4t. Hierunter fallen alle Tierstaaten, in denen ebenfalls viel altruistisches Verhalten vorkommt. Kennzeichen solcher eusozialen Arten sind Kooperationen bei der Brutpflege und bei der Nahrungsversorgung, das Zusammenleben mehrerer Generationen und das Vorkommen von fruchtbaren und unfruchtbaren Tieren. Ein bekanntes Beispiel solcher Tierstaaten sind die Honigbienen. Hier vermehrt sich nur ein einziges Weibchen, die K\u00f6nigin. Alle anderen Bienen sind unfruchtbare, weibliche Arbeiterinnen oder m\u00e4nnliche Drohnen.<\/p>\n<p>Eine Besonderheit hier sind die Verwandtschaftsgrade: Die weiblichen Bienen entstehen aus befruchteten Eiern und sind diploid, die m\u00e4nnlichen Tiere jedoch haploid, da sie aus unbefruchteten Eiern entstehen. Man spricht hier von Haplodiploidie. Daraus ergibt sich, dass alle Arbeiterinnen zueinander einen Verwandtschaftskoefizienten von r = 0,75 haben. Die Schwestern, die alle von der K\u00f6nigin geboren werden, sind also n\u00e4her miteinander verwandt, als sie mit ihren eigenen Kindern w\u00e4ren.<br \/>\n<\/p>\n<h2 id=\"kommunikation\" class=\"anchor\">Kommunikation<\/h2>\n<p>Die Nachrichten\u00fcbermittlung und der Austausch von Signalen ist ein charakteristisches Merkmal des Lebens. Kommunikation kann sowohl innerartlich, also intraspezifisch, als auch zwischen zwei Arten, also interspezifisch, stattfinden. Kommunikation muss nicht immer nur als W\u00f6rtern oder Lauten bestehen, sondern kann viele verschiedene Formen annehmen.<\/p>\n<h3 id=\"akustische-signale\" class=\"anchor\">Akustische Signale<\/h3>\n<p>Unter akustischen Signalen werden alle Formen der Laut\u00e4u\u00dferungen gefasst. Dazu geh\u00f6ren nicht nur die Laute, die man mit der Stimme produzieren kann, sondern<br \/>\njegliche Form von Ger\u00e4uschen.<\/p>\n<h3 id=\"optische-signale\" class=\"anchor\">Optische Signale<\/h3>\n<p>Zu den optischen Signalen geh\u00f6ren vielf\u00e4ltige Merkmale, wie zum Beispiel die Fellfarbe, die Gr\u00f6\u00dfe oder Form von K\u00f6rperteilen und vieles mehr. Selbstverst\u00e4ndlich geh\u00f6rt auch die K\u00f6rpersprache, also Mimik und Gestik, dazu. Taktile Signale Taktile Signale sind Verst\u00e4ndigungen \u00fcber direkten K\u00f6rperkontakt. Informationen werden dabei \u00fcber Ber\u00fchrungen weitergegeben (Kontaktkommunikation). Besonders bei gr\u00f6\u00dferen S\u00e4ugetieren spielt diese Form der Kommunikation eine gro\u00dfe Rolle, da dar\u00fcber auch Informationen \u00fcber die sozialen Beziehungen vermittelt werden.<\/p>\n<h3 id=\"chemische-signale\" class=\"anchor\">Chemische Signale<\/h3>\n<p>Viele Wissenschaftler vermuten, dass eine Kommunikation \u00fcber chemische Signale wohl die erste erfolgreiche Art der Verst\u00e4ndigung war. Zwischen den Individuen einer Art werden sogenannte Pheromone ausgetauscht, die von andern wahrgenommen werden. Diese Signalstoffe k\u00f6nnen zum Teil weite Strecken \u00fcberwinden, um beispielsweise Sexualpartner zu anzulocken.<\/p>\n<h3 id=\"ritualisierung\" class=\"anchor\">Ritualisierung<\/h3>\n<p>Unter Ritualisierung versteht man den Bedeutungswechsel von einem bestimmten Verhaltenselement zu einem unverwechselbaren Verst\u00e4ndigungsmittel zwischen Artgenossen. Besonders h\u00e4ufig kommt diese Ritualisierung beim Balz- oder Aggressionsverhalten vor. Ritualisierte Verhaltensweisen l\u00f6sen nicht mehr die Reaktion aus, die normalerweise auf ein solches Verhalten folgen w\u00fcrde.116 6. Verhaltensbiologie<\/p>\n<h3 id=\"signalf\u00e4lschung\" class=\"anchor\">Signalf\u00e4lschung<\/h3>\n<p>Eine Signalf\u00e4lschung liegt vor, wenn der Absender einer Botschaft es schafft, den Empf\u00e4nger mit seiner Nachricht zu t\u00e4uschen. Besonders h\u00e4ufig sind Signalf\u00e4lschungen zwischen verschiedenen Arten, insbesondere zwischen R\u00e4uber und Beute. Die Beute tarnt sich zum Beispiel durch eine Scheinwarntracht vor dem R\u00e4uber und tut damit so, als sei sie giftig oder gef\u00e4hrlich. Ein R\u00e4uber kann das Verhalten oder Merkmale vom Sexualpartner oder der Nahrung des Beutetieres nachahmen und diese so anlocken.<br \/>\n<\/p>\n<h2 id=\"aggressives-verhalten\" class=\"anchor\">Aggressives Verhalten<\/h2>\n<p>Aggressives Verhalten unter Lebewesen kann sich zum einen gegen Artgenossen richten (intraspezifische Aggression) oder gegen artfremde Lebewesen (interspezifische Aggression). Bei einem aggressiven Verhalten werden drei verschiedene Intensit\u00e4tsstufen unterschieden: Die erste und schw\u00e4chste Form umfasst dabei Imponier- und Drohverhalten. Hierbei handelt es sich nur um Andeutungen eines Kampfes gegen\u00fcber einem anderen Individuum, h\u00e4ufig, um dieses in die Flucht zu schlagen oder zum Aufgeben zu bringen, noch bevor ein Kampf stattgefunden hat. Beim Komment- oder Turnierkampf messen sich die Kontrahenten nach festen Regeln, ohne ernsthafte Verletzungs- oder T\u00f6tungsabsichten. Bei Besch\u00e4digungsk\u00e4mpfen hingegen haben beide Kontrahenten eine klare T\u00f6tungsabsicht, weshalb hier kein ritualisiertes Verhaltensmuster zu erkennen ist.<\/p>\n<p>Da ein Kampf f\u00fcr beide Seiten nicht nur mit einem energetischen Aufwand sondern h\u00e4ufig auch mit Verletzungen oder dem Tod einhergeht, haben sich Verhaltensweisen zur Aggressionskontrolle entwickelt. Das sogenannte Demutsverhalten ist eine davon. Dieses tritt vor allem bei sozial lebenden Gruppen auf und soll zum Ende eines Kampfes f\u00fchren. Au\u00dferdem f\u00fchren Verhaltensweisen, die oft aus einem ritualisierten Fortpflanzungsverhalten stammen, beim dominierenden Individuum eine T\u00f6tungshemmung aus. Auch eine Rangordnung ist eine Methode der Aggressionskontrolle, da durch die Rangordnungsk\u00e4mpfe die jeweilige Stellung in der Gruppe ausgefochten wird und dadurch weitere, unn\u00f6tige K\u00e4mpfe vermieden werden. Hierdurch wird die Gesellschaft der Gruppe enorm stabilisiert. Eine weitere Methode zur Aggressionskontrolle ist das Territorialverhalten bei einigen Arten, da so bestimmte Grenzen die Einflussgebiete von dominanten Tieren eingrenzen und diese sich somit aus dem Weg gehen k\u00f6nnen. Auch Migration, also das Abwandern von einigen Individuen aus einer Gruppe, verhindert aggressive Verhaltensweisen, da die Konkurrenz um Nahrung, Wohnort und Fortpflanzungspartner und damit Potenziale f\u00fcr K\u00e4mpfe vermieden werden.<\/p>\n<p>Proximate Ursachen von aggressivem Verhalten sind vor allem hormonelle Ver\u00e4nderungen, welche zum Beispiel eine erh\u00f6hte Aggressivit\u00e4t zu Fortpflanzungs zeiten bedingen. Auch eine Ressourcenknappheit oder eine zu hohe Populationsdichte f\u00fchren h\u00e4ufig zu aggressivem Verhalten.<\/p>\n<p>Bei den ultimaten Ursachen von aggressivem Verhalten muss mit einbezogen werden, dass Individuen immer nach einer m\u00f6glichst hohen Fitness streben. Ein aggressives Verhalten hat also immer den Hintergrund, entweder seine Gene in die n\u00e4chste Generation vermehrt weitergeben zu k\u00f6nnen oder lebenswichtige Ressourcen, wie Nahrung, Wasser oder auch Brutpl\u00e4tze, zu erhalten.<\/p>\n<h2 id=\"sexualverhalten\" class=\"anchor\">Sexualverhalten<\/h2>\n<p>Nur bei wenigen Arten im Tierreich gibt es eine sogenannte Dauerehe. Daher m\u00fcssen m\u00e4nnliche und weibliche Tiere einander zun\u00e4chst begegnen, um gemeinsam Nachwuchs zeugen zu k\u00f6nnen. Dazu ist von N\u00f6ten, dass die Fortpflanzungsbereitschaft von M\u00e4nnchen und Weibchen einer Art relativ synchron abl\u00e4uft. H\u00e4ufig f\u00f6rdert die Zusammenkunft an bestimmten Pl\u00e4tzen dann auch die Wahrscheinlichkeit, einen Fortpflanzungspartner zu finden. Auch Ornamente k\u00f6nnen bei der Partnerwahl eine Rolle spielen. Man unterscheidet dann zwischen akustischen Ornamenten (zum Beispiel Balzges\u00e4nge), Duftornamenten (zum Beispiel Sexualpheromone oder Duftmarken) und optischen Ornamenten (zum Beispiel eine gewisse K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe, F\u00e4rbungen oder andere k\u00f6rperliche Merkmale).<\/p>\n<p>Wenn ein M\u00e4nnchen und ein Weibchen einer Art zusammengekommen sind, muss es zu einer Paarung kommen. Dabei m\u00fcssen es die Individuen schaffen, den Gegen\u00fcber zun\u00e4chst als einen potenziellen Partner zu erkennen, dann die Individualdistanz zum Gegen\u00fcber \u00fcberwinden und schlie\u00dflich muss eine Feinsynchronisation beider stattfinden, damit die Paarung vollzogen werden kann. Dienlich sind hierbei h\u00e4ufig ritualisierte Balzverhalten, die h\u00e4ufig auch instinktiv durch die Individuen ausgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<div class=\"box info\">\n<p><strong>Im Tierreich haben sich verschiedene Paarungssysteme etabliert:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Monogamie: Bei der Monogamie handelt es sich um das einzige Paarungssystem, bei welchem nur ein M\u00e4nnchen und ein Weibchen einer Art zusammen eine Partnerschaft eingehen.<\/li>\n<li>Polygamie: Form der Partnerschaft, bei der sich beide Geschlechter mit mehreren Partnern des anderen Geschlechts paaren.<\/li>\n<li>Polyandrie: Form der Polygamie, bei der sich ein Weibchen mit mehreren M\u00e4nnchen verpaart. Diese M\u00e4nnchen paaren sich dann nur mit diesem einen Weibchen.<\/li>\n<li>Polygynie: Form der Polygamie, bei der bei der sich ein M\u00e4nnchen mit mehreren Weibchen verpaart. Diese Weibchen paaren sich dann nur mit diesem einen M\u00e4nnchen.<\/li>\n<li>Polygynandrie: Form der Polygamie, bei der sowohl M\u00e4nnchen als auch Weibchen sich mehrmals mit verschiedenen Partnern des anderen Geschlechts paaren.<\/li>\n<\/ul>\n<\/div><br \/>\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alle Lebewesen besitzen ein, meist f\u00fcr eine bestimmte Art charakteristisches Sozialverhalten. Dieses dient der Verst\u00e4ndigung untereinander oder mit anderen Arten und kann verschiedenen Zwecken dienen. Kooperation Eine Kooperation von Individuen kann sich auf viele verschieden Dinge, wie zum Beispiel den Nahrungserwerb, Schutz und Verteidigung oder Fortpflanzung, beziehen. 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