{"id":9197,"date":"2018-07-28T09:18:34","date_gmt":"2018-07-28T07:18:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.studyhelp.de\/online-lernen\/?page_id=9197"},"modified":"2023-05-10T14:04:30","modified_gmt":"2023-05-10T12:04:30","slug":"geschichte-abitur-beispielklausur-inhaltsfeld-1","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.studyhelp.de\/online-lernen\/geschichte\/geschichte-abitur-beispielklausur-inhaltsfeld-1\/","title":{"rendered":"Geschichte Abitur Beispielklausur [Inhaltsfeld 1]"},"content":{"rendered":"<p>Bisher haben wir uns den Abiturpr\u00fcfungen sehr theoretisch gen\u00e4hert. Ihr habt gelernt, wie ihr euch langfristig auf die <a href=\"https:\/\/www.studyhelp.de\/online-lernen\/geschichte\/abiturvorbereitung-geschichte\/\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Abiturklausuren vorbereiten k\u00f6nnt<\/a>, wie sie aufgebaut sind, <a href=\"https:\/\/www.studyhelp.de\/online-lernen\/geschichte\/welche-historischen-quellen-gibt-es\/\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">was es mit Quellen auf sich hat<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.studyhelp.de\/online-lernen\/geschichte\/sachurteil-und-werturteil-einer-quelle\/\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">welche Aufgaben<\/a> euch erwarten und auf welchen Grundlagen die Lehrer eure L\u00f6sungen \u00fcberpr\u00fcfen und bewerten. <\/p>\n<p>Jetzt geben wir nun Butter bei die Fische.<\/p>\n<p>Alles, was wir euch im theoretischen Teil vorgestellt haben, wenden wir nun Schritt f\u00fcr Schritt auf eine Reihe von Beispielklausuren an. Die Themen der Klausuren haben wir uns nat\u00fcrlich ausgedacht und k\u00f6nnen daher auch keine Garantie darauf geben, dass sie in dieser Form auch auf euch zukommen. Sie entsprechen aber alle thematisch den Inhaltsfeldern aus dem Zentralabitur des Landes NRW, welche wir euch in Kapitel 2.1 vorgestellt haben.<br \/>\nAuch bei den L\u00f6sungen m\u00fcssen wir nat\u00fcrlich bei einem geringeren Umfang bleiben, als ihr in einer mehrst\u00fcndigen Klausur niederschreiben k\u00f6nnt (und solltet). Wir beschr\u00e4nken uns daher auf die Kernelemente. Die L\u00f6sungen sind also nur Ausschnitte, die auf wichtige Punkte hinweisen, aber keine Komplettl\u00f6sungen. Sie sollen euch als Hinweisgeber daf\u00fcr dienen, wie ihr mit den euch gestellten Aufgaben umgehen k\u00f6nnt. Nebenbei k\u00f6nnt ihr sie aber auch zur Wiederholung der wichtigsten historischen Daten und Ereignisse der jeweiligen Inhaltsfelder nutzen.<\/p>\n<h2>Beispielklausur 1<\/h2>\n<p><em>Der vorliegende Auszug stammt aus der 14. Rede des deutschen Philosophen Johann Gottlieb Fichte. Diese Rede wurde 1807\/1808 in Berlin als Vorlesung &#8222;Reden an die deutsche Nation&#8220; gehalten. Da sie bei den Zuh\u00f6rern sehr gro\u00dfen Anklang fand, wurde sie zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt auch gedruckt ver\u00f6ffentlicht.<\/em><\/p>\n<p>&#8222;Es sind Jahrhunderte versunken, seitdem ihr nicht so zusammenberufen worden seid wie heute; in solcher Anzahl; in einer so gro\u00dfen, so dringenden, so gemeinschaftlichen Angelegenheit; so durchaus als Nation und Deutsche. Auch wird es euch niemals wieder so geboten werden. (&#8230;)<\/p>\n<p>Wen diese Gegenwart nicht aufregt, der hat sicher alles Gef\u00fchl verloren. Ihr seid zusammenberufen, einen letzten und festen Entschlu\u00df zu fassen; keineswegs etwa zu einem Befehle, einem Auftrage, sondern zu einer Zumutung an euch selber. Eine Entschlie\u00dfung sollt ihr fassen, die jeder nur durch sich selbst und in seiner eigenen Person ausf\u00fchren kann. (&#8230;)<\/p>\n<p>Lasset vor euch vor\u00fcbergehen die verschiedenen Zust\u00e4nde, zwischen denen ihr eine Wahl zu treffen habt. Gehet ihr ferner weiterhin so daher in eurer Dumpfheit und Achtlosigkeit, so erwarten euch zun\u00e4chst alle \u00dcbel der Knechtschaft, Entbehrungen, Dem\u00fctigungen, der Hohn und \u00dcbermut (&#8230;); ihr werdet herumgesto\u00dfen werden in allen Winkeln, weil ihr allenthalben nicht recht und im Wege seid; solange, bis ihr, durch Aufopferung eurer Nationalit\u00e4t<br \/>\nund Sprache, euch irgendein untergeordnetes Pl\u00e4tzchen erkauft habt, und bis auf diese Weise allm\u00e4hlich euer Volk ausl\u00f6scht.<\/p>\n<p>Wenn ihr euch dagegen ermannt zum Aufmerken, so findet ihr zun\u00e4chst eine ehrenvolle und ertr\u00e4gliche Fortdauer, und sehet noch unter euch und um euch herum ein Geschlecht aufbl\u00fchen, das euch und den Deutschen das r\u00fchmlichste Andenken verspricht. Ihr sehet im Geiste durch dieses Geschlecht den deutschen Namen zum glorreichsten unter allen V\u00f6lkern erheben, ihr sehet diese Nation als Wiederherstellerin der Welt.<\/p>\n<p>Es h\u00e4ngt von euch ab, ob ihr das Ende sein wollt und die letzten eines nicht achtungsw\u00fcrdigen Geschlechts, bei dessen Geschichte die Nachkommen sich freuen werden, wenn es mit ihnen zu Ende ist; oder ob ihr der Anfang sein wollt, der Entwicklungspunkt einer neuen, \u00fcber alle eure Vorstellungen herrlichen Zeit, und diejenigen, von denen an die Nachkommenschaft die Jahre ihres Heils z\u00e4hle.<\/p>\n<p>Bedenket, da\u00df ihr die letzten seid, in deren Gewalt diese gro\u00dfe Ver\u00e4nderung steht. Ihr habt doch noch die Deutschen als Eins nennen h\u00f6ren, ihr habt ein sichtbares Zeichen ihrer Einheit, ein Reich und einen Reichsverband gesehen oder davon vernommen (&#8230;). Was nach euch kommt, wird sich an andere Vorstellungen gew\u00f6hnen, es wird fremde Formen und einen anderen Gesch\u00e4fts- und Lebensgang annehmen; und wie lange wird es noch dauern, da\u00df keiner mehr lebe, der Deutsche gesehen oder von ihnen geh\u00f6rt habe?<\/p>\n<p>Was von euch gefordert wird, ist nicht viel. Ihr sollt es nur schaffen, euch auf kurze Zeit zusammenzunehmen und zu denken \u00fcber das, was euch unmittelbar und offenbar vor den Augen liegt. Dar\u00fcber sollt ihr euch eine feste Meinung bilden, derselben treu bleiben und sie in eurer n\u00e4chsten Umgebung auch \u00e4u\u00dfern und aussprechen. Das ist die Voraussetzung. Es ist unsere sichere \u00dcberzeugung, da\u00df der Erfolg dieses Denkens bei euch allen auf die gleiche Weise ausfallen werde, und da\u00df, wenn ihr nur wirklich denket und nicht hingeht in der bisherigen Achtlosigkeit, ihr \u00fcbereinstimmend denken werdet, und da\u00df die Einm\u00fctigkeit und Eintracht des Geistes von selbst kommen werde. Ist es aber einmal dazu gekommen, so wird alles \u00dcbrige, was uns n\u00f6tig ist, sich von selbst ergeben.\u201c <em>(Quelle: Eucken, Rudolf (Hg.), Fichte, Johann Gottlieb, Reden an die deutsche Nation, Leipzig 1915, S. 249 ff.)<\/em><\/p>\n<p><strong>Aufgaben:<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li>Analysieren Sie die Quelle.<\/li>\n<li>Stellen Sie die Rede Fichtes in den historischen Kontext bis einschlie\u00dflich 1813.<\/li>\n<li>Beurteilen Sie die Rede Fichtes vor dem Hintergrund der Entstehungssituation, der weiteren Entwicklung und des vorliegenden Nationalismuskonzeptes.<\/li>\n<\/ol>\n<h2>Erwartungshorizont<\/h2>\n<p>Schon der kurze Vortext zur Quelle enth\u00e4lt wichtige Informationen, die ihr zum Bearbeiten der ersten Aufgabe ben\u00f6tigt. Darin werden der Autor und die Form der Quelle, so wie der Ort und die Zeit der Ver\u00f6ffentlichung genannt. Die Beantwortung der <a href=\"https:\/\/www.studyhelp.de\/online-lernen\/geschichte\/analyse-von-textquellen\/\">7 W-Fragen<\/a> ergibt dann folgendes:<\/p>\n<div class=\"box info\">\n<ul>\n<li><strong>Autor\/Urheber:<\/strong> Der Philosoph Johann Gottlieb Fichte<\/li>\n<li><strong>Quelle:<\/strong> Rede aus der Vorlesungsreihe \u201eReden an die deutsche Nation\u201c (Prim\u00e4rquelle)<\/li>\n<li><strong>Ort und Zeit:<\/strong> 1807\/1808 in Berlin<\/li>\n<li><strong>Anlass:<\/strong> schlechte wirtschaftliche und politische Situation Preu\u00dfens<\/li>\n<li><strong>Ziel\/Intention:<\/strong> Versuch, die Zuh\u00f6rer argumentativ von der schlechten Lage zu \u00fcberzeugen und das deutsche Nationalbewusstsein zu st\u00e4rken<\/li>\n<li><strong>Adressaten:<\/strong> erst gebildetes Publikum in Berlin, nach Ver\u00f6ffentlichung dann an alle Deutschen gerichtet<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<p>Bei der vorliegenden Textquelle handelt es sich um einen Auszug aus einer Rede des deutschen Philosophen <strong>Johann Gottlieb Fichte<\/strong>.<br \/>\nFichte hielt diese Rede im Rahmen der <strong>Vorlesungsreihe \u201eReden an die deutsche Nation\u201c in Berlin 1807\/1808<\/strong>, also kurz nach der Erl\u00f6schung des Heiligen R\u00f6mischen Reiches. Wenig sp\u00e4ter wurde die Rede auch gedruckt und ver\u00f6ffentlicht.<br \/>\nDie vorliegende Rede ist also eine <strong>Prim\u00e4rquelle<\/strong>.<br \/>\nFichte fordert darin sein Publikum auf, sich der <strong>unbefriedigenden staatlichen und gesellschaftlichen Lage der Deutschen<\/strong> bewusst zu werden und diese unter R\u00fcckgriff auf das Konzept der \u201eNation\u201c zu ver\u00e4ndern und zu verbessern.<\/p>\n<p>Danach folgt die Einteilung des Textes in Sinnabschnitte und deren inhaltliche Wiedergabe in jeweils ein bis zwei S\u00e4tzen. Bei der vorliegenden Rede ist es sinnvoll, sich die Abs\u00e4tze genau anzuschauen und inhaltlich zu unterteilen. In der Musterl\u00f6sung kommen wir auf <strong>vier Sinnabschnitte<\/strong> mit folgenden Inhalten:<\/p>\n<p>Der erste Abschnitt (Z. 1-9) beinhaltet die Einleitung der Rede. Fichte spricht die Zuh\u00f6rer nicht als Preu\u00dfen, sondern als Deutsche und somit als Teil einer Nation an und sagt, dass jeder einzelne sich der besonderen historischen Situation bewusst werden solle, in der er sich bef\u00e4nde. <\/p>\n<p>Im zweiten Abschnitt (Z. 10-23) erl\u00e4utert Fichte, dass den Deutschen zwei Wahlm\u00f6glichkeiten blieben. Sollten sie ihr Verhalten nicht \u00e4ndern und weiterhin alles hinnehmen, wozu sie von \u00e4u\u00dferen M\u00e4chten gedr\u00e4ngt w\u00fcrden, so w\u00fcrden sie zun\u00e4chst Kultur und Sprache verlieren, um schlie\u00dflich als Volk aufh\u00f6ren zu existieren. Sollten sie sich jedoch ihrer schlechten Lage bewusst werden, so best\u00fcnde die Chance eines Aufbl\u00fchens der Deutschen. <\/p>\n<p>In Abschnitt drei (Z. 24-36) wiederholt Fichte seine Sorgen dar\u00fcber, dass die Deutschen die Erinnerung an die staatliche und kulturelle Einheit mit dem Tod der aktuellen Generation verlieren k\u00f6nnten. Gleichzeitig zeigt er die Chance auf, als Anfangspunkt f\u00fcr eine Kette von aufbl\u00fchenden weiteren Generationen zu fungieren. <\/p>\n<p>Im letzten Sinnabschnitt (Z. 37-47) weist Fichte die Deutschen noch einmal darauf hin, \u00fcber die Situation nachzudenken und verspricht ihnen, dass sie nach gr\u00fcndlicher \u00dcberlegung alle zum selben Ergebnis, n\u00e4mlich dem Entschluss, etwas zu ver\u00e4ndern, kommen w\u00fcrden. Das sei f\u00fcr ihn die Voraussetzung f\u00fcr die Eintracht und f\u00fcr ein gemeinschaftliches Nationalbewusstsein.<\/p>\n<p>Nach der Einteilung und Wiedergabe der Sinnabschnitte k\u00f6nnt ihr die Gesamtaussage der Quelle noch einmal kurz zusammenfassen. Zum Beispiel so:<\/p>\n<p>Zusammengefasst m\u00f6chte Fichte den Zuh\u00f6rern zeigen, dass sie in der Vergangenheit und in ihrer gegenw\u00e4rtigen Situation von fremden M\u00e4chten ausgenutzt wurden und noch werden. Gleicherma\u00dfen zeigt er ihnen aber M\u00f6glichkeiten auf, wie sie als geeintes Volk mit einer gemeinsamen Intention etwas an ihrer Lage \u00e4ndern k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2>Aufgabe 2:<\/h2>\n<p>Die Aufgabestellung der zweiten Aufgabe verlangt, dass ihr die Quelle in den historischen Kontext bis einschlie\u00dflich 1813 einordnet. Die relevanten historischen Ereignisse werden also nach oben hin zeitlich eingegrenzt. Mit welchen historischen Ereignissen ihr die Beschreibung des Kontextes beginnt, m\u00fcsst ihr allerdings selbst entscheiden. Da die Quelle inhaltlich auf die schlechte Lage der Bev\u00f6lkerung in den deutschen Staaten, insbesondere im K\u00f6nigreich Preu\u00dfen, 1807\/1808 anspielt, lohnt es sich, einen Blick auf die Ereignisse zu werfen, die im Vorfeld der Quelle stattgefunden haben und die zu den schlechten Verh\u00e4ltnissen gef\u00fchrt haben k\u00f6nnten. Hier lassen sich drei verschiedene Entwicklungen finden, die zu den in der Quelle geschilderten Umst\u00e4nden passen:<\/p>\n<p><strong>1. Die Bedrohung des Heiligen R\u00f6mischen Reiches durch Napoleon<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong>1801:<\/strong><br \/>\nFrieden von Lun\u00e9ville: Eingliederung der linksrheinischen Gebiete des Reiches nach Frankreich. Folgen: S\u00e4kularisation und Mediatisierung im Reich.<\/li>\n<li><strong>1804:<\/strong><br \/>\nNapoleons Selbstkr\u00f6nung zum Kaiser \u2013 Provokation des R\u00f6mischen Kaisers und des russischen Zaren.<\/li>\n<li><strong>1805:<\/strong><br \/>\nNiederlage \u00d6sterreichs und Russlands gegen Frankreich bei Austerlitz.<\/li>\n<li><strong>1806:<\/strong><br \/>\nNiederlagen Preu\u00dfens gegen Frankreich bei Jena und Auerstedt. Frieden von Tilsit: Preu\u00dfen muss 50 % seines territorialen Besitzes an Frankreich abtreten \u2013 Preu\u00dfen ger\u00e4t in politischen und wirtschaftlichen Notstand.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>2. Die Situation der Bev\u00f6lkerung im K\u00f6nigreich Preu\u00dfen:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Vor Napoleon: Feudalsystem\/Grundherrschaft: Fokus auf Landwirtschaft \u2013 Bauern waren abgabepflichtig gegen\u00fcber den Grundherren \u2013 Einfache Bev\u00f6lkerung wurde von Adel und Klerus wirtschaftlich ausgebeutet.<\/li>\n<li>Durch Napoleon: wirtschaftlicher und milit\u00e4rischer Zusammenbruch Preu\u00dfens, Gebietsabtretungen.<\/li>\n<li>Ab 1806: franz\u00f6sische Fremdherrschaft bedroht den Bestand des K\u00f6nigreichs Preu\u00dfen \u2013 Ausbeutung der Bev\u00f6lkerung hat weiterhin Bestand.<\/li>\n<p><strong>3. Die preu\u00dfischen Reformen ab 1806:<\/strong><\/p>\n<li>Reaktion auf die preu\u00dfische Notsituation nach den Niederlagen gegen Frankreich 1806.<\/li>\n<li>Preu\u00dfischer K\u00f6nig beruft die Adeligen Stein und Hardenberg in wichtige Regierungs\u00e4mter.<\/li>\n<li>Ziele der Reformen: Aufschwung Preu\u00dfens; Zur\u00fcckdr\u00e4ngung von Napoleons Einfluss.<\/li>\n<li>Ma\u00dfnahmen: Verwaltungs-, Wirtschafts-, Bildungs-, und Milit\u00e4rreform \u2013 dem Adel sollte zu Gunsten der einfachen Bev\u00f6lkerung einige Privilegien entzogen werden<\/li>\n<li>Gleichheit in pers\u00f6nlicher Freiheit und vor dem Gesetz<\/li>\n<li>Nach anf\u00e4nglicher Unterst\u00fctzung versucht Napoleon, die Reformen zu verhindern \u2013 Stein und Hardenberg m\u00fcssen nach Russland fliehen.<\/li>\n<p>Diese drei Entwicklungsstr\u00e4nge stehen im unmittelbaren Zusammenhang mit der Quelle. Fichtes Bestrebungen, das Bewusstsein der Bev\u00f6lkerung zu sch\u00e4rfen, um ihre schlechte Lage zu erkennen, diese \u00e4ndern zu wollen und ein Nationalgef\u00fchl auszubilden, k\u00f6nnen aus den folgenden Gr\u00fcnden direkt auf die genannten Entwicklungen bezogen werden:<\/p>\n<li>Fichte will, dass die Deutschen die von Ihren F\u00fcrsten verantwortete katastrophale Lage nicht weiter hinnehmen oder sie ignorieren. Sie sollen sie erkennen und handeln.<\/li>\n<li>Er sieht die Herrschaft Napoleons als Gefahr f\u00fcr den Bestand des deutschen Volkes. Die Ausbildung eines Nationalbewusstseins soll also vor den franz\u00f6sischen Einfl\u00fcssen sch\u00fctzen.<\/li>\n<li>Die preu\u00dfischen Reformen haben f\u00fcr Fichte das Potenzial, die wirtschaftliche und soziale Situation der Bev\u00f6lkerung zu verbessern. Die Ausbildung eines Gemeinschaftsgef\u00fchls kann also als Druckmittel funktionieren, um eine solche Entwicklung zu gew\u00e4hrleisten.<\/li>\n<p>Nachdem ihr die Ursachen in Verbindung mit der Quelle gebracht habt, schaut ihr euch nun noch die Folgen bis einschlie\u00dflich 1813 an. Hier lassen sich zwei verschiedene Entwicklungen herausarbeiten:<\/p>\n<p><strong>1. R\u00fcckgang von Napoleons Macht in Europa<\/strong><\/p>\n<li><strong>1812:<\/strong><br \/>\nNapoleons Russlandfeldzug scheitert.<\/li>\n<li><strong>1813:<\/strong><br \/>\nNiederlage Napoleons in der V\u00f6lkerschlacht beiLeipzig.<\/li>\n<li><strong>Ab 1813:<\/strong><br \/>\nBefreiungskriege.<\/li>\n<p><strong>2. Durchsetzung der Reformen in Preu\u00dfen<\/strong><\/p>\n<li>Nach der Niederlage Napoleons 1813 konnten die Reformen von \u00e4u\u00dferen Einfl\u00fcssen weitgehend ungehindert fortgef\u00fchrt werden.<\/li>\n<li>Adel wehrt sich gegen Reformen.<\/li>\n<li>Trotzdem beinahe vollst\u00e4ndige Durchsetzung der Reformen bis 1815 \u2013 Adel verliert Privilegien, Situation gr\u00f6\u00dferer Bauern verbessert sich, Kleinbauern blieben aber weiter abgabepflichtig.<\/li>\n<p>Die Deutung der Quelle k\u00f6nnte also so aussehen:<\/p>\n<p>1799 hatte Napoleon durch einen Staatsstreich die Macht in Frankreich \u00fcbernommen und sich 1804 selbst zum Kaiser gekr\u00f6nt. In einer Reihe von Feldz\u00fcgen (den sogenannten Napoleonischen Kriegen) konnte Frankreich seine Macht in Europa ausweiten und seine Rivalen in wechselnden Koalitionen zur\u00fcckdr\u00e4ngen. In der Folge wurde das Staatensystem Europas, u. a. mit der Gr\u00fcndung des Rheinbundes und der Aufl\u00f6sung des Heiligen R\u00f6mischen Reiches deutscher Nation, durch Napoleon grundlegend ver\u00e4ndert. Auch das K\u00f6nigreich Preu\u00dfen, welches sich 1806 gegen Frankreich wandte, erlitt u. a. bei Jena und Auerstedt entscheidende Niederlagen, wurde teilweise franz\u00f6sisch besetzt und musste den Verlust von \u00fcber 50 Prozent seines Territoriums hinnehmen.<\/p>\n<p>Fichte bezieht sich in seiner Rede vor allem auf die Situation der preu\u00dfischen bzw. deutschen Bev\u00f6lkerung seit dem Sieg Napoleons 1807. Bis zu seiner Niederlage gegen Frankreich hatte sich in Preu\u00dfen eine weitgehend anachronistische Form einer aufgekl\u00e4rten absolutistischen Feudalherrschaft erhalten. Bauern bewirtschafteten H\u00f6fe und G\u00fcter, die gr\u00f6\u00dftenteils adligen Grundherren geh\u00f6rten, und mussten Abgaben und Steuern an diese entrichten. Die Bauern hatten sehr unter der Last der Abgaben zu leiden und wurden vom Adel regelrecht ausgebeutet. Nachdem Preu\u00dfen nach den Niederlagen gegen Frankreich 1806 aber in eine wirtschaftliche Notlage geraten war, wurden die Reformer Stein und Hardenberg in wichtige Regierungs\u00e4mter berufen. Ihr Konzept einer Staats- und Verwaltungsreform beruhte auf der Aufkl\u00e4rung und wurde von milit\u00e4rischen und wissenschaftlichen Reformen flankiert. Unter anderem sollten dem Adel einige seiner Privilegien entzogen werden, um das einfache Volk zu entlasten. Ihr endg\u00fcltiges Ziel war es, die Voraussetzungen f\u00fcr eine Befreiung Preu\u00dfens von der franz\u00f6sischen Fremdherrschaft zu schaffen. Napoleon, der die Reformen zun\u00e4chst unterst\u00fctzt hatte, versuchte im weiteren Verlauf, sie zu verhindern. Stein und Hardenberg mussten kurz darauf ihre \u00c4mter niederlegen und nach Russland fliehen.<\/p>\n<p>Hier setzt Fichtes Rede an. 1806, kurz nach dem Beginn der Reformen, sieht Fichte f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung zwei Probleme, n\u00e4mlich die Fremdherrschaft Frankreichs und die Unterdr\u00fcckung der einfachen Bev\u00f6lkerung. Seine Rede stellt einen Aufruf an die Zuh\u00f6rer dar, sich ihrer schlechten Lage bewusst zu werden und ein Gemeinschaftsgef\u00fchl zu entwickeln. Er warnt vor der \u201eAusl\u00f6schung der Deutschen\u201c, sollte es den Deutschen nicht gelingen, die inneren Differenzen zu \u00fcberbr\u00fccken. Damit meint Fichte auch einen gerechteren Umgang der St\u00e4nde untereinander.<br \/>\nDas Scheitern von Napoleons Russlandfeldzug 1812 und seine Niederlage in der V\u00f6lkerschlacht bei Leipzig 1813 d\u00e4mmten seinen Einfluss in Europa deutlich ein. Nun konnten die preu\u00dfischen Reformen fortgef\u00fchrt werden, auch wenn der Adel sich nach wie vor dagegen wehrte. Die wirtschaftliche Situation der gr\u00f6\u00dferen Bauern verbesserte sich, kleinere H\u00f6fe blieben aber weiterhin abgabepflichtig. Dennoch war es durch die gleichzeitig vorangetriebene Bildungsreform nun m\u00f6glich, dass auch die Kinder der einfachen Bev\u00f6lkerung Gymnasien besuchen und somit eine bessere Schulbildung erhalten konnten.<\/p>\n<h2>Aufgabe 3<\/h2>\n<p>Die dritte Aufgabe fordert, dass ihr die Quelle hinsichtlich ihrer Entstehung, der weiteren historischen Entwicklung und ihres Nationalismuskonzeptes beurteilt. Erinnert euch bitte noch einmal an die Operatoren und macht euch bewusst, was \u201ebeurteilen\u201c in diesem Fall bedeutet. Es geht darum, \u201e[d]en Stellenwert historischer Sachverhalte in einem Zusammenhang [zu] bestimmen, um ohne pers\u00f6nlichen Wertebezug zu einem begr\u00fcndeten Sachurteil zu gelangen.\u201c  Diesen Teil erledigt ihr auf Grundlage der Einordnung in den historischen Kontext in Aufgabe 2. Um ein Sachurteil zu f\u00e4llen, solltet ihr folgende Punkte noch einmal aufgreifen:<\/p>\n<p>In Frankreich und den USA hatten sich im 17. Und 18. Jahrhundert unter sehr unterschiedlichen Voraussetzungen Nationalstaaten entwickelt, die als Vorbild f\u00fcr nationale Bewegungen in anderen Teilen der Welt dienten. In Frankreich hatte eine starke, zentralisierte Monarchie Zug um Zug die meisten Teile des Landes unter ihre Kontrolle gebracht. In den USA hatte der Unabh\u00e4ngigkeitskrieg gegen Gro\u00dfbritannien aus britischen Kolonisten Amerikaner gemacht. Im Heiligen R\u00f6mischen Reich, das zu dieser Zeit aus mehr als 300 Einzelstaaten bestand, gab es eine solche Entwicklung nur in Ans\u00e4tzen. Zwischen den einzelnen Staaten herrschten Rivalit\u00e4ten und teilweise sogar kriegerische Auseinandersetzungen. Zwar existierte ein diffuses Gef\u00fchl eines gemeinsamen Kulturraumes, aber das Fehlen eines Einheitsstaates verhinderte eine weitere Entwicklung in diese Richtung. Fokuspunkt blieben immer die Einzelstaaten. Dies verst\u00e4rkte sich nach der Aufl\u00f6sung des Reiches noch weiter, als Teile der deutschen Staaten unter franz\u00f6sische Abh\u00e4ngigkeit gerieten. Fichte, der seine Rede im K\u00f6nigreich Preu\u00dfen, einem der gr\u00f6\u00dften ehemaligen Teilstaaten des Heiligen R\u00f6mischen Reiches, hielt, bezog sich aber dadurch, dass er die Bev\u00f6lkerung mit \u201edie Deutschen\u201c ansprach, auf die gesamte Bev\u00f6lkerung des ehemaligen Reiches. F\u00fcr ihn war klar, dass nur die Schaffung eines einheitlichen Nationalbewusstseins und die B\u00fcndelung aller nationalen Kr\u00e4fte die innere gesellschaftliche wie politische Zerrissenheit der Deutschen beenden k\u00f6nnte. Seine Vorlesungen bildeten einen wichtigen Auftakt f\u00fcr die Entwicklung eines gemeinsamen Nationalgef\u00fchls und wurden breit rezipiert. Tats\u00e4chlich sollte aber erst die gemeinsame Erfahrung der Befreiungskriege gegen Napoleon einige Jahre sp\u00e4ter dem Nationalismus der Deutschen einen entscheidenden Schub versetzen. Obwohl auch nach 1815 zun\u00e4chst kein Nationalstaat auf deutschem Boden entstand, bildeten sie bis zur Gr\u00fcndung des Kaiserreiches einen Fixpunkt, an dem sich die nationale Bewegung orientieren und den sie zur B\u00fcndelung ihrer Kr\u00e4fte nutzen konnte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bisher haben wir uns den Abiturpr\u00fcfungen sehr theoretisch gen\u00e4hert. Ihr habt gelernt, wie ihr euch langfristig auf die Abiturklausuren vorbereiten k\u00f6nnt, wie sie aufgebaut sind, was es mit Quellen auf sich hat, welche Aufgaben euch erwarten und auf welchen Grundlagen die Lehrer eure L\u00f6sungen \u00fcberpr\u00fcfen und bewerten. Jetzt geben wir nun Butter bei die Fische. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"parent":9015,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":[],"categories":[40],"tags":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v14.7 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>Geschichte Abitur Beispielklausur [Inhaltsfeld 1] - StudyHelp Online-Lernen<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Hier findet ihr eine vollst\u00e4ndige Beispiel Abiturklausur f\u00fcr das Fach Geschichte. 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