Bildquellen untersuchen [Geschichte]

Bildquellen gelten neben Textquellen als häufig verwendetes Element in der Abiturprüfung im Fach Geschichte. Wie ihr mit Karikaturen, Portraits und anderen Bildquellen in der Abiturprüfung vorgehen solltet, zeigen wir euch in diesem Artikel.

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Portraits und Gemälde als Bildquellen

Historische Portraits und Gemälde sind für die Geschichtswissenschaft als Bildquellen interessant. Portraits waren über Jahrhunderte hinweg die bevorzugte Darstellungsform von Adeligen, Geistlichen und dem Bürgertum. Sie wurden erst im 19. Jahrhundert mit dem Aufkommen der Fotografie langsam verdrängt. Kunst und Malerei zählten zum angesehenen Handwerk. Bei vielen Werken handelt es sich daher um Auftragsarbeiten, die sich nur wohlhabende Menschen leisten konnten. Ein Portrait als Bildquelle erzählt uns viel über

  1. den Künstler, der es gemalt hat
  2. die darauf dargestellte Person
  3. den Auftraggeber und seine Intention/Absicht
  4. den Malstil der historischen Epoche, in der es entstanden ist
  5. die gesellschaftlichen Konventionen der historischen Epoche.

Der Künstler einer Bildquelle lässt sich meist durch einen individuellen Malstil identifizieren. Außerdem hinterlässt er häufig eine Signatur am unteren Bildrand, die ihn als Urheber des Werkes kennzeichnet. Die dargestellte Person könnt ihr oft an ihrem Äußeren (Gestik, Mimik, Kleidung) erkennen.

Manchmal trägt das Portrait auch einen Titel, der im Zusammenhang mit der Person steht. Der Auftraggeber ist häufig identisch mit der dargestellten Person oder stammt aus ihrem näheren sozialen Umfeld.

Der Malstil verweist nicht nur auf den Künstler, sondern auch auf Konventionen und Techniken, die in bestimmten historischen Epochen besonders genutzt wurden. Hinweise auf die gesellschaftlichen Konventionen der Zeit könnt ihr anhand der Darstellungsweise und des Aussehens der dargestellten Person erhalten. Achtet besonders auf Kleidung und andere Gegenstände oder Symbole.

Ähnlich wie mit den Portraits verhält es sich mit historischen Gemälden. Auch sie sind meist Auftragswerke, die nach den jeweiligen Vorstellungen ihrer Auftraggeber konzipiert werden und eine klare Intention enthalten. Dargestellt werden bedeutende historische Ereignisse, z. B. militärische Erfolge oder Krönungen. Der entscheidende Unterschied zum Portrait ist, dass im Zentrum des Bildes nicht zwingend eine Person stehen muss. Es können auch ganze Personengruppen, Gebäude oder Landschaften zu sehen sein. Wichtig ist auch die Perspektive, aus der das Ereignis dargestellt wird.

Beispiel

Bei militärischen Konflikten wird das Geschehen meistens aus der Perspektive der Siegerseite gezeigt. Die Intention des Gemäldes wäre in diesem Fall eine symbolische Überhöhung des Sieges, z.B. um das Nationalgefühl zu stärken, zum weiteren Kampf zu mobilisieren oder eine Herrscherposition zu festigen.

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Karikaturen als Bildquelle

Der Begriff Karikatur lässt sich von dem lateinischen Wort ‚caricare‘ ableiten, was auf Deutsch so viel wie ‚überladen‘ bedeutet. Der Begriff ist hier jedoch im Sinne von „überzeichnet“ zu verstehen. Karikaturen sind demnach Zeichnungen, die meistens recht einfach gehalten sind, und die zeitgenössischen Personen, Sachverhalte oder Ereignisse abbilden.
Diese Dinge werden dabei nicht realitätsgetreu, sondern verzerrt und überzogen dargestellt. In ihrem Kern bleiben sie aber für den Betrachter erkennbar.

Häufig nutzen die Zeichner auch bildliche Metaphern. Oft werden Karikaturen in satirischen Zeitschriften veröffentlicht. Der Karikaturist möchte mit ihnen z.B. auf für ihn relevante gesellschaftliche Missstände oder Verfehlungen von Personen aufmerksam machen und Kritik üben. Karikaturen nehmen also eine bestimmte Position ein und enthalten somit immer eine Wertung, welche auch ihrem Betrachter vermittelt werden soll.

Auch bei Karikaturen lassen sich die sieben W-Fragen anwenden. Besonders wichtig ist es aber, dass ihr

  1. den Sachverhalt erkennt, auf den sich die Karikatur bezieht.
  2. die verwendeten Symbole und Metaphern, die verwendet werden, erkennt und einordnen könnt.
  3. feststellt, welche Position/Meinung der Zeichner zum Geschehen einnimmt und welche Absicht er mit seiner Darstellung verfolgt.
  4. feststellt, ob und inwiefern die Darstellung dem realen Sachverhalt entspricht oder nicht.

Wahlplakate als Bildquellen

Wahlplakate als Bildquellen sind für Abiturprüfungen vor allem ab der Zeit der Weimarer Republik interessant. Zwar gab es bereits im Kaiserreich ein Parteiensystem, die Mitglieder des Parlaments hatten jedoch nur wenig Einfluss auf die Regierung. Dies änderte sich nach der Abschaffung der Monarchie und der Etablierung der Republik infolge der Novemberrevolution 1918. Zur Zeit der Weimarer Republik lässt sich ein erhöhtes Aufkommen von Wahlplakaten feststellen. Das hatte zwei Gründe:

  1. Die Parteien hatten jetzt die Möglichkeit, deutlich größeren Einfluss auf die Politik auszuüben, und vieles hing von ihren Wahlerfolgen ab.
  2. Die Verfassung der Weimarer Republik erlaubte es in Artikel 25 dem Reichspräsidenten, das Parlament aufzulösen und Neuwahlen anzusetzen. Bedingt durch Phasen der Instabilität und ein zersplittertes Parteiensystem wurde davon zwischen 1920 und 1933 häufig Gebrauch gemacht. Daher kam es immer wieder zu neuen Wahlen.
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Daran lässt sich ableiten, warum Wahlplakate für diese Zeit so enorm wichtig waren. Sie sind ein Kommunikationsmedium, mit dem die deutsche Bevölkerung auf die politischen Positionen und Meinungen der Parteien aufmerksam gemacht werden sollte.

Was unterscheidet nun Wahlplakate von Karikaturen? Karikaturen sind zeichnerisch in den meisten Fällen schlicht gehalten und arbeiten einen Sachverhalt satirisch und kritisch auf. Wahlplakate haben sowohl auf der gestalterischen als auch auf der inhaltlichen Ebene deutlich vielfältigere Möglichkeiten. Sie zeichnen sich vor allem durch die folgenden Merkmale aus:

  1. klare und deutliche Bildaussagen und Symbole
  2. kurze und einfach verständliche Slogans, die den Inhalt des Plakates bekräftigen
  3. auffällige Farbgebung (Signalwirkung)
  4. Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner
  5. Möglichkeiten der Identifikation für den potenziellen Wähler.

Liegt euch in der Klausur ein Wahlplakat vor, müsst ihr euch auch dieses sehr gründlich anschauen. Genau wie bei Bildern und Karikaturen ist auch hier jedes einzelne Bildelement von Bedeutung, da ihr auch in diesem Fall nur über wenige textliche Informationen verfügt. Zuerst solltet ihr euch notieren, welchen Eindruck das Wahlplakat beim ersten Ansehen bei euch hinterlässt. Im Anschluss daran solltet ihr das Plakat im Hinblick auf die sieben W-Fragen untersuchen.

Nachdem wir nun die wichtigsten historischen Quellen kennengelernt haben, soll es im nächsten Artikel darum gehen, wie diese in einer Abiturprüfung bearbeitet werden müssen.

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