Textquellen untersuchen

Textquellen werden euch mit großer Wahrscheinlichkeit in der Abiturprüfung im Fach Geschichte begegnen. Wie ihr mit ihnen umzugehen habt und welche Arten von Textquellen euch begegnen werden, zeigen wir euch in diesem Artikel.

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Geschichte Abiturvorbereitung

Die Rede als Textquelle

Eine häufige Form der Textquellen in Abiturprüfungen im Fach Geschichte ist die Rede. Kennzeichnend für Reden ist, dass sie im Regelfall dem Zielpublikum zunächst mündlich vorgetragen werden. Oft werden sie jedoch auch verschriftlicht, um beispielsweise publiziert zu werden und eine größere Reichweite zu entfalten. Anders als Texte oder bildliche Kunstwerke muss eine Rede nicht zwangsläufig einen Titel tragen.

Für eine Analyse und Einordnung spielen neben dem Redner auch die Adressaten der Rede eine wichtige Rolle. Daher gilt es zunächst zu unterscheiden, ob sie öffentlich oder unter Ausschluss der Öffentlichkeit gehalten wurde. Bei den meisten Reden, die ihr im Geschichtsunterricht und in den Klausuren behandeln müsst, handelt es sich aber um öffentliche Reden. Es gibt drei unterschiedliche Typen von Reden: Zweckreden, Gelegenheitsreden und Informationsreden.

Zweckreden werden häufig in politischen oder wirtschaftlichen Kreisen genutzt. Wie der Name schon sagt, dienen sie einem bestimmten Zweck. Mit ihnen möchte der Redner seine Zuhörer

  • argumentativ von etwas überzeugen
  • begeistern oder ihre Motivation fördern
  • zu bestimmten Handlungen oder Verhaltensweisen auffordern.

Gelegenheitsreden werden meistens zu privaten Anlässen wie Geburtstagen, Trauungen oder Jubiläen gehalten. Auch in diesem Fall möchte der Redner etwas Bestimmtes erreichen, z. B.

  • an ein oder mehrere bestimmte Ereignisse erinnern
  • die Gäste unterhalten und zur positiven Stimmung beitragen
  • den Gästen Anreize für Gesprächsstoff und Kommunikation bieten.

Gelegenheitsreden unterscheiden sich dadurch von Zweckreden, dass sie meistens zu einem positiven oder persönlichen Anlass gehalten werden. Das Publikum soll nicht argumentativ beeinflusst, sondern unterhalten oder an etwas erinnert werden.

Informationsreden haben fast immer einen wirtschaftlichen oder wissenschaftlichen Hintergrund. Die Inhalte variieren dabei stark, so geht es z. B. um inner- und außerbetriebliche Themen, Produktinformationen, neue wissenschaftliche Erkenntnisse oder Finanzangelegenheiten. Das Publikum besteht häufig aus den Mitarbeitern eines Betriebs oder Wissenschaftlern bestimmter Fachgebiete. Diese Form der Rede soll

  • über Produkte, Pläne, etc. informieren
  • die Mitarbeiter/Zuhörer für ein neues Thema sensibilisieren
  • den Wissensstand der Zuhörerschaft erweitern.

Wie bereits erwähnt sind für Abiturprüfungen besonders Zweckreden mit einem politischen Hintergrund relevant. Diese Reden werden meistens in der Öffentlichkeit gehalten und mit Hilfe der Medien verbreitet, damit möglichst viele Leute sie sehen oder hören können.

Eine Rede gliedert sich grob in Einleitung, Hauptteil und Schluss. In der Einleitung begrüßt der Redner seine Zuhörerschaft, stellt kurz das Thema vor und versucht, dieses für sein Publikum interessant zu machen. Im Hauptteil nennt der Redner dem Publikum seine Ziele. Die Wichtigkeit der Ziele steigert sich dabei, der Redner beginnt also mit dem unwichtigsten Punkt und endet mit dem wichtigsten. So will er einen Zusammenhang zwischen den verschiedenen Zielen herstellen und sein Publikum von diesen überzeugen. Mit folgenden Fragen könnt ihr die Redestruktur untersuchen:

  1. Welche rhetorische Mittel benutzt der Redner?
  2. Welche Argumentationsstrategie verfolgt der Redner?
  3. Welche Argumenttypen werden benutzt?
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Zum Schluss einer der Rede werden die im Hauptteil erarbeiteten Ziele und Erkenntnisse meist noch einmal zusammengefasst. Achtet auch hier besonders darauf, wie der Redner diese argumentativ und rhetorisch präsentiert!

Der Brief als Textquelle

Ein Brief ist eine Textform, die weniger häufig in Quellenanalysen vorkommt als Reden. Es wird zwischen privaten und offenen Briefen unterschieden. Ein privater Brief hat einen Verfasser und einen oder mehrere Adressaten. Beim Adressaten kann es sich sowohl um Personen als auch um Institutionen handeln. Der Inhalt ist im Regelfall nur für Verfasser und Adressat bestimmt.

Offene Briefe hingegen werden in Zeitungen und Zeitschriften gedruckt und medial veröffentlicht, sind also potentiell für viele Menschen sichtbar. Sie werden nur in manchen Fällen auch direkt an den Empfänger geschickt. Der Verfasser eines offenen Briefes versucht den Adressaten, der häufig eine in der Öffentlichkeit stehende Person oder Institution ist, mit möglichen Missständen, Verfehlungen oder ähnlichem zu konfrontieren. Häufig ist damit auch die Aufforderung verbunden, Fehler zu korrigieren und Besserung zu versprechen.

Ein Brief beginnt mit einem persönlichen Anschreiben. Es folgt die Formulierung des Anliegens. Dieser Teil ist individuell und hängt vom jeweiligen Anlass ab. Der Empfänger kann den Adressaten um etwas bitten, ihn zu etwas auffordern oder ihn über etwas informieren. Briefe werden in der Regel mit der Angabe von Datum und Ort, einer persönlichen Unterschrift und in manchen Fällen auch mit Stempeln oder Siegeln versehen.

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Der Zeitungsartikel als Textquelle

Zeitungsartikel sind eine weitere gängige Textquelle, die ihr in einer Abiturprüfung erwarten könnt. Sie haben die Eigenart, dass sie einen Titel tragen. Gegebenenfalls auch einen Untertitel. Titel und Untertitel enthalten bereits Hinweise auf das Thema des Artikels und können andeuten, welche Position der Autor gegenüber dem Thema einnimmt. Autoren von Zeitungsartikeln sind normalerweise bei der jeweiligen Zeitung angestellte Journalisten oder Gastautoren.

Die Themen von Zeitungsartikeln sind breit gefächert. Im Regelfall konfrontieren euch Abiturprüfungen aber mit Beiträgen aus den Bereichen Politik, Wirtschaft oder Kultur.

In erster Linie informiert ein Zeitungsartikel die Leser über ein bestimmtes Thema. Der Autor berichtet objektiv über ein Ereignis oder einen Sachverhalt. Die informierende Komponente ist in nahezu jedem Zeitungsartikel enthalten. Manchmal kommt es auch vor, dass ein Autor sich zudem kommentierend mit einem Thema auseinandersetzt. Er berichtet also nicht bloß sachlich, sondern subjektiv, indem er seine eigene Position/Meinung zum Thema mit einfließen lässt und den jeweiligen Sachverhalt beurteilt. Hierbei ist zu erwähnen, dass eine der Kernregeln des Journalismus lautet, dass Nachricht und Meinung immer deutlich erkennbar voneinander getrennt werden müssen. Achtet also bei eurer Analyse darauf, ob dies eingehalten wird.

Die Form eines Zeitungsartikels ist sehr flexibel. Aufbau und Länge variieren stark. Nach Titel und Untertitel leitet der Autor kurz ins Thema ein und berichtet dann ausführlich über den Sachverhalt. Manchmal werden dem Artikel Bilder und Tabellen mit Zahlen, Daten und Fakten als zusätzliche Informationsquellen beigefügt. Auch diese können zum besseren Verständnis des Artikels und des Themas im Allgemeinen beitragen.

Flugblätter als Textquelle

Eine gern für Abiturprüfungen gewählte Textquelle ist das Flugblatt. Flugblätter gibt es bereits seit dem Spätmittelalter. Auch wenn ihr Einsatz und ihre Funktion sich im Laufe der Jahrhunderte gewandelt haben und sie heute hauptsächlich im Werbebereich eingesetzt werden, dienten sie früher vorwiegend dazu auf politische, religiöse oder wirtschaftliche Missstände aufmerksam zu machen. Oft war dies mit einem Aufruf an die Bevölkerung verbunden, sich in einer bestimmten Art und Weise zu verhalten oder gegen bestimmte Entwicklungen zu wehren. Während des Zweiten Weltkriegs nutzten z. B. alle Kriegsparteien, aber auch Widerstandsgruppen wie die Weiße Rose, Flugblätter.

Sachtexte mit historischem Bezug (Sekundärquellen)

Auf Sekundärquellen sind wir bereits letzten Artikel eingegangen. Ein Sachtext mit historischem Bezug stammt in der Regel aus der Gegenwart oder der näheren Vergangenheit. Er unterscheidet sich von Augenzeugenberichten und anderen Primärquellen, weil er sich rückblickend mit einem historischen Sachverhalt auseinandersetzt. Geschrieben werden solche Sachtexte in der Regel von Journalisten oder Wissenschaftlern, im Falle des Fachs Geschichte natürlich von Historikern.

Ein Augenzeuge schildert nur den Verlauf des Ereignisses an sich und blickt nicht darüber hinaus. Der Historiker hingegen kann ein Ereignis in seinen historischen Kontext einordnen, d. h. Bezüge zu anderen Ereignissen herstellen und so Querverbindungen und eine chronologische Entwicklung erkennen. Er stellt sich z. B. folgende Fragen:

  • Wie ist das Ereignis abgelaufen?
  • Welche Akteure waren beteiligt?
  • Welche vorangegangenen Ereignisse haben zu diesem Ereignis geführt?
  • Welche Folgen oder Auswirkungen hatte das Ereignis?
  • Sind diese Auswirkungen auch in der Gegenwart noch zu spüren?

Wie ihr anhand der Fragen erkennen könnt arbeitet ein Historiker mit ähnlichen Methoden, wie ihr sie hier auf StudyHelp Online-Lernen noch in der Quellenanalyse kennen lernen werdet. Aber auch Historiker sind nur Menschen, und ihre Meinungen, Urteile, Einschätzungen, Bewertungen und Erkenntnisse können fehlerhaft sein. Deswegen solltet ihr, falls ihr in der Klausur einen Sachtext bearbeitet, auch diesem kritisch gegenüberstehen und die Aussagen des Historikers hinterfragen.

Tipp

Vergleicht den historischen Kontext mit den Aussagen des Historikers und arbeitet Gemeinsamkeiten und Unterschiede heraus! Kommt euch eine Aussage des Historikers unlogisch oder unsachlich vor, schreibt es auf jeden Fall in eurer Bewertung in der dritten Aufgabe hinein. Vielleicht kennt ihr auch Aussagen anderer Historiker zu dem Thema, die ihr zusätzlich mit einbringen
könnt.

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