Erblich bedingte Verhaltensweisen

Unter erblich bedingen Verhaltensweisen versteht man Handlungen, die ein Individuum bereits seit der Geburt in sich trägt und die damit nicht erlernt werden müssen. Auch ohne den Einfluss von Eltern oder sonstiger Sozialisation werden diese Verhaltensweisen beherrscht.

Unbedingter Reflex

Ein Reflex ist eine Reaktion auf einen bestimmten auflösenden Reiz, die unter den gleiche Bedingungen immer wieder auftritt. Die Reaktion ist meistens unbewusst, unwillkürlich und beliebig oft wiederholbar. Das Bewusstsein und der eigene Wille sind bei der reflexartigen Reaktion oft nicht beteiligt. Viele Reflexe dienen besonders als Schutzfunktion. Ein Reflex läuft immer nach einem klaren Reiz-Reaktions-Schema ab, dem sogenannten Reflexbogen:

Verhaltensbiologie

Der Reiz wird von einem Rezeptor wahrgenommen und dann in elektrische Signale umgewandelt. Diese werden dann über die afferenten Bahnen direkt zum Zentralnervensystem weitergeleitet. Bei Reflexen geht es häufig darum, dass sehr schnell reagiert wird. Daher führen die Bahnen hier oft nur bis zum Rückenmark, statt bis zum Gehirn. Im Rückenmark wird dann auf eine efferente Bahn umgeschaltet, die vom Zentralnervensystem weg und hin zum Zielorgan führt und dort die Endhandlung, also die Reaktion, auslöst. Wenn die Umschaltung von afferente auf efferente Bahn nur über eine Synapse läuft, wird der Reflexbogen als monosynaptisch bezeichnet. Hier ist die Reaktionszeit dann besonders kurz.

Bei Reflexen werden zwei verschiedene Arten unterschieden. Dies geschieht anhand der Lage von Rezeptor und Effektor: Beim sogenannten Eigenreflex liegen sowohl der Rezeptor als auch das Erfolgsorgan im selben Organ, während sich beim Fremdreflex beides in verschiedenen Organen befindet. Wenn es sich um einen Fremdreflex handelt, sind oft mehrere Interneuronen zwischen afferenter und efferenter Bahn geschaltet, sodass es sich dann nicht um einen monosynaptischen, sondern einen polysynaptischen Reflex handelt. Letztere haben eine etwas längere Reaktionszeit.

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Instinkthandlung

Unter einer Instinkthandlung werden ebenfalls angebotene Verhaltensweisen verstanden, die unter den gleichen Bedingungen immer wieder in gleicher Form ablaufen. Die drei Phasen einer Instinkthandlung nennt man Appentenzverhalten, Taxis und Endhandlung.

Auch hier ist ein auslösender Reiz von Nöten, jedoch spielt auch die innere Bereitschaft des Individuums eine wichtige Rolle. Hierbei spricht man von der doppelten Quantifizierung: Nur, wenn beide Faktoren gegeben sind, wird in einem Individuum eine Instinkthandlung ausgelöst.

Die innere Bereitschaft wird zum Beispiel vom Füllzustand des Magens, von der Konzentration von Sexualhormonen oder auch von biologischen Rhythmen, wie dem Tag-Nacht-Rhythmus, beeinflusst. Wurde die Endhandlung der Instinkthandlung erfolgreich ausgeführt, sinkt in der Regel die innere Bereitschaft und das Verhalten wird nicht direkt noch einmal ausgeführt.

Eine besondere Rolle bei instinktivem Verhalten haben sogenannte Schlüsselreize. Darunter versteht man charakteristische Reize, die die Voraussetzungen erfüllen, um ein Instinktverhalten auszulösen. Simuliert man die charakteristischen Merkmale eines solchen Schlüsselreizes, zum Beispiel mit einer Attrappe, können diese Instinkthandlungen trotzdem ausgelöst werden.

Forschungsmöglichkeiten

Um erbbedingtes Verhalten bei Tieren nachweisen zu können, gibt es verschiedene Methoden. Eine erste und relativ unaufwendige ist die Beobachtung von Tieren unter natürlichen Bedingungen. Junge Tiere haben noch keine Möglichkeit gehabt etwas zu lernen, weshalb man davon ausgehen kann, dass die Verhaltensweisen, die kurz nach der Geburt bereits ausgeführt werden, angeboren sind. Auch eine Synchronität bei der Ausführung der Verhaltensweisen bei allen Individuen deutet auf eine genetische Grundlage hin.

Eine weitere Methode, auch erst später im Leben auftretende Verhaltensweisen auf eine genetische Veranlagung hin zu prüfen, sind sogenannte Isolationsexperimente. Isoliert man Jungtiere direkt nach der Geburt, haben sie keine Möglichkeit, während der Entwicklung etwas von ihren Eltern oder anderen Individuen der Gesellschaft zu lernen. Daher zeigen sich hier besonders die angeborenen Verhaltensweisen.

Auch beim Menschen lassen sich einige Untersuchungen zu erblichbedingtem Verhalten durchführen, die weniger rabiat sind, als eine Isolation kurz nach der Geburt. Die Beobachtung von blind und/oder taub geborenen Kindern zum Beispiel ermöglicht es, bestimmte Verhaltensmuster wie Mimik oder Gestik auf eine gemeinsame genetische Komponente hin zu überprüfen, da diese Kinder viele
Verhaltensweisen nie durch andere Lernen konnten. Auch Verhaltensweisen, die in fast allen Kulturen der Menschheit homolog sind, wie ein Lächeln, deuten auf eine genetische Grundlage hin.

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