Charakterisierung

Die Charakterisierung ist eine typische Aufgabe für das Fach Deutsch in der Schule. Hier geht es darum, eine Beschreibung zu literarischen Figuren oder aber echten Personen zu geben. Innerhalb der Charakterisierung fasst du die zentralen charakterlichen Eigenschaften einer Figur beziehungsweise Person zusammen, um ein möglichst detailliertes Bild über sie liefern.

Nachfolgend betrachten wir, wie eine Charakterisierung aufgebaut ist und wie du sie mit Leichtigkeit verfassen kannst.

Wissenswertes zur Charakterisierung

Das Wort Charakter kommt vom Griechischen χαρακτήρ charakter und bedeutet so viel wie “Prägestempel” oder übertragen auch “Eigenart”. Du kannst dir also merken, dass wir mithilfe der Charakterisierung die prägenden Eigenschaften beziehungsweise Eigenarten einer Person analysieren.

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Ziel einer Charakterisierung

Bevor wir uns an den Aufbau der Charakterisierung machen, schauen wir uns kurz an, welches Ziel sie verfolgt.

Eine Charakterisierung macht es möglich, die wesentlichen äußeren und inneren Merkmale einer Person herauszuarbeiten und darzustellen. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese Person eine fiktive Figur in einem literarischen Text ist oder eine reale Person in einem Sachtext. Dies hilft sowohl dir als auch dem Leser deiner Charakterisierung dabei, die bedeutenden Eigenschaften einer Person zu erkennen und ihr Handeln nachzuvollziehen.

Im Rahmen von Textanalysen hilft die Charakterisierung der Hauptfiguren zudem dabei, wichtige Aspekte des Texts herauszuarbeiten und getroffene Aussagen zu stützen beziehungsweise zu widerlegen. Somit trägt die Charakterisierung dazu bei, deine Textanalyse ausführlicher zu gestalten und abzurunden.

Schau dir zum Einstieg das Lernvideo von der Merkhilfe zum Thema Charakterisierung an!

Wie schreibe ich eine Charakterisierung / Porträt? – Literarische Charakterisierung


Unterscheidung Charakterisierung und Personenbeschreibung

Grundsätzlich können wir eine Unterscheidung zwischen der Charakterisierung und der Beschreibung von Personen treffen.

Eine Personenbeschreibung dient dazu, lediglich die äußeren Merkmale einer Person herauszuarbeiten. Das sind alle Dinge die der Leser „sehen“ kann. Anhand dieser äußerlichen Betrachtung kannst du Aussagen über die Person selbst machen.

Beispiel

„Im großen, kalten Saal fiel er allein schon durch seine gebräunte Haut auf, die sich gegen die der anderen Besucher deutlich abzeichnete.“

Die gebräunte Hautfarbe der Person ist ein äußerliches Merkmal, welches sichtbar ist. Sie lässt die Deutung zu, dass die Person viel Zeit in der Sonne verbringt. Dies erscheint doppelt erwähnenswert, da die Temperatur im Saal auf eine kalte Jahreszeit oder einen kalten Ort schließen lässt. Aus dem weiteren Text wird unter Umständen deutlich, warum die Person oft in der Sonne zu sein scheint.

Genutzt wird die Personenbeschreibung aufgrund ihrer Form vor allem für einen groben Überblick über eine Person und wird beispielsweise in der Polizeifahndung genutzt.

Die Charakterisierung hingegen beschreibt nicht nur die äußeren Merkmale einer Person. Hier arbeitest du tiefergehende Informationen zu den Gedanken und Emotionen sowie der Verhaltensweise einer Person heraus. Auf diese Weise erhältst du ein genaueres Bild über die Person und kannst präzise Rückschlüsse über ihr Wesen ziehen. Derartige Rückschlüsse kannst du außerdem heranziehen, um Prognosen über die charakterliche Entwicklung der Person zu treffen.

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Aufbau der Charakterisierung

Wie alle anderen Aufsätze im Fach Deutsch, weist auch die Charakterisierung eine spezifische Form auf. Wir schauen uns deshalb nachfolgend an, mit welchem Gerüst du deine Charakterisierung optimal stützt.

Charakterisierung – Einleitung

Die Einleitung der Charakterisierung nutzt du, um den Leser an den Inhalt des Ausgangstexts sowie dein Vorhaben heranzuführen. Achte darauf, verständlich zu formulieren und fasse dich kurz und informativ.

Mit Bezug auf den Ausgangstext nennst du in der Einleitung den Titel des Texts, den Autor, das Erscheinungsdatum und die Textsorte. Gegebenenfalls kannst du außerdem eine literaturgeschichtliche Einordnung vornehmen. Dies demonstriert deine Kenntnis über wichtige Literaturepochen.

Nenne in der Einleitung das Kernthema des Texts und versorge den Leser mit einer kurzen Inhaltsangabe. Vergiss nicht zu erwähnen, welche Figur du nachfolgend charakterisieren wirst.

Beispiel

„Don Karlos, Infant von Spanien“ ist ein Drama von Friedrich Schiller aus dem Jahr 1787 und lässt sicher der Literaturepoche Sturm und Drang zuordnen. Die Tragödie handelt von….
Nachfolgend wird die Figur der Prinzessin von Eboli charakterisiert.

Charakterisierung – Hauptteil

Im Hauptteil arbeitest du alle wichtigen Charaktereigenschaften heraus. Hierbei beginnst du mit den äußeren Merkmalen und leitest anschließend zu den innerlichen Aspekten über. Auf diese Weise schaffst du einen roten Faden, der von gröberen Merkmalen zu detaillierten führt.

Äußere Merkmale sind hierbei:

  • Name und Alter der Person
  • Beruf und Herkunft
  • persönliche Geschichte
  • äußere Lebensumstände wie Wohnort, Zeit und gesellschaftliche Stellung
  • Körperbau und Merkmale wie Augenfarbe, Haarfarbe, Gesichtszüge
  • Auffälligkeiten in der Gestik und Mimik
  • Besonderheiten in der Sprache wie Dialekt, Soziolekt oder auffällige Wortwahl
  • Verhalten und Verhaltensmuster
  • Interaktion mit anderen Personen
  • familiäre, freundschaftliche und intime Beziehungen

Innere Merkmale können folgende sein:

  • Gedanken
  • Emotionen
  • Eigenschaften (sensibel, munter, skeptisch, jähzornig, etc.)
  • Vorlieben
  • Ängste
  • Ideologien / Einstellungen
  • Absichten

Um den Hauptteil abzuschließen, kannst du aus den obigen Merkmalen eine außerdem eine charakterliche Entwicklung herausarbeiten. Sollte sich die Person deiner Meinung nach nicht entwickeln, ist auch dieser statische Aspekt nennenswert.

Charakterisierung – Schlussteil

Im Schluss deiner Charakterisierung betrachtest du die Person im Gesamtbild. Du kannst hervorheben, wie sie sich im Gesamtwerk einordnet und welche Entwicklung sie erkennen lässt. Je nach Aufgabenstellung ist hier Platz für eine persönliche Bewertung der Person beziehungsweise für eine kritische Auseinandersetzung mit ihrem Charakter.


Tipps und Tricks für deine Charakterisierung

Abschließend möchten wir dir noch einige Hinweise geben, dir es dir leichter machen, eine gelungene Charakterisierung zu verfassen. Ansonsten gilt: Übung macht den Meister!

Charakterisierung – Die Vorarbeit

Zu Beginn jedes textbezogenen Aufsatzes solltest du den Ausgangstext mehrfach gründlich lesen. Achte beim ersten Lesen vor allem auf Kernaussagen und Auffälligkeiten. Geh den Text für deine Charakterisierung anschließend erneut durch und fokussiere dich auf alle Aussagen und Textstellen, die dir beim Verfassen deines Texts behilflich sein können.

Es empfiehlt sich, relevante Textpassagen farbig zu markieren, um sie während des Schreibens leichter wiederzufinden. Hast du es schon einmal mit Color-Coding probiert? Markiere hierzu alle äußerlichen Charaktermerkmale in einer Farbe und alle inneren in einer zweiten. Unterscheide nach Bedarf weiter nach Gefühlen, Gedanken usw.

Wenn du genügend Zeit hast, kannst du die markierten Textstellen auf einem Schmierzettel notieren. Dieser Schritt hilft dir dabei, die wichtigen Merkmale zu sortieren und entsprechend deines roten Fadens zu ordnen. Dies mag dir als zusätzliche Arbeit vorkommen, erleichtert aber in der Regel den Schreibprozess ungemein.

Nimm dir die Zeit, Wörter nachzuschlagen, die du nicht kennst. Diese könnten für die Analyse der Charaktereigenschaften von Bedeutung sein. Deshalb solltest du sie nicht unbeachtet lassen.

Die Beweisführung

Es ist von größter Wichtigkeit, dass du alle in deinem Text getroffenen Aussagen über die zu charakterisierende Person anhand von Textstellen belegst.

Du kannst die Merkmale in Form von Zitaten in deine Charakterisierung einbauen. Dies sollte aber nicht zu oft geschehen, um dem Leser einen guten Lesefluss zu ermöglichen. Alternativ kannst du die entsprechenden Merkmale in deinen eigenen Worten wiedergeben, indem du die Textstellen umformulierst. Vergiss hierbei nicht, den entsprechenden Verweis hinten anzuhängen.

Beispiel

Auf Seite 21, Zeile 6 erfahren wir:

„In diesem Moment kroch die Angst in ihm empor und ihm blieb die Luft weg. „Warum bin ich so? Wieso macht mir alles Angst?“, fragte er sich leise murmelnd.

Für die Charakterisierung heißt das:

Bei der männlichen Figur handelt es sich um eine dauerhaft ängstliche Person (S. 21, Z. 6f)

Der rote Faden in einer Charakterisierung

Um eine nachvollziehbare Struktur in deinen Text zu bringen, solltest du einen roten Faden bedenken. Wie zuvor erwähnt, beginnst du deine Charakterisierung immer mit den äußerlichen Merkmalen und arbeitest dich anschließend zu den innerlichen vor.

Jedoch sollte auch der Übergang zwischen den einzelnen Merkmalen sinnig sein. Versuche deshalb, nicht von der Augenfarbe über den Dialekt zur Haarlänge zu springen. Nutze die zuvor geordneten Merkmale, um einen plausiblen Fließtext zu verfassen.

Die Information für eine Charakterisierung

Achte darauf, woher du die Informationen für deine Charakterisierung beziehst. Wer trifft in dem gegebenen Text Aussagen über die zu charakterisierende Person?

Dies kann beispielsweise ein auktorialer Erzähler sein. Durch einen Ich-Erzähler oder Monologe können die Informationen aber auch von der Person selbst stammen. Stimmen die eigenen Ansichten der Person in diesem Fall mit den Eindrücken der Menschen in seinem Umfeld überein? Es kann interessant sein, zu beleuchten, ob hier unterschiedliche Eindrücke entstehen.

Außerdem kannst du betrachten, ob die vorliegenden Informationen explizit oder implizit Auskunft über den Charakter geben.

Bei expliziten Informationen werden die Charaktereigenschaften deutlich sichtbar angegeben. Du erkennst in der Regel sehr schnell, dass sie Bezug auf den Charakter einer Person nehmen.

Implizite Auskünfte sind dagegen schwieriger zu erkennen. Hier gilt es, zwischen den Zeilen zu lesen. Rollen andere Personen mit den Augen, wenn die zu charakterisierende Person etwas sagt? Lächelt das Gegenüber, wenn die Person den Raum betrifft? Derartige Informationen können weitreichende Aufschlüsse über die Person liefern. Versuche deshalb ein besonderes Augenmerk darauf zu legen.

Die Charaktierisierung schreiben

Nun, da wir alle wichtigen Aspekte einer Charakterisierung durchgegangen sind, kannst du direkt loslegen. Beachte, dass du nicht alle oben genannten Punkte auf jede Charakterisierung anwenden musst. Wähle immer genau die Punkte aus, die für deinen Text sinnig erscheinen.

Und nicht vergessen: Übung macht den Meister!

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