Klassische Moderne

Das Wort modern stammt von dem lateinischen Wort modus, was im Ursprung so viel wie „Gemessenes“ oder „Erfasstes“ bedeutet. Im weiteren Verlauf der Zeit bekam das Wort jedoch die Bedeutung „Maß“ oder „Art“. Modern ist das Adjektiv von „Mode“, dessen Bedeutung heutzutage weitaus geläufiger ist. Mode versteht sich als eine Art Regel, die über einen gewissen Zeitraum gilt. Mode umfasst Bereiche wie Kleidungsstile, Redensarten und Konsumverhalten. Aber wie ist dieses Wort nun im Kontext der Literaturgeschichte zu verstehen?

Zeitraum: ca. 1890-1933

Historische Ereignisse

  • technische und wissenschaftliche Fortschritte, darunter die Relativitätstheorie von Albert Einstein, Sigmund Freuds Begründung der Psychoanalyse und Max Plancks Quantenformeln. Religiöse Werte und Ideale weichen durch diese Erkenntnisse.
  • Durch die immer noch fortschreitende Industrialisierung bekommen Staat und Bürokratie einen immer höheren Stellenwert. Ein Spannungsverhältnis zwischen Individuum und Masse entsteht.
  • Der erste Weltkrieg 1914-1918: Zuvor noch von vielen als eine Art „letzter Endkampf“ sogar noch begünstigt, finden sich am Ende die Überlebenden traumatisiert und entrüstet wieder. Erstmalig wurden dort Massenvernichtungswaffen verwendet, welche die Vorstellung eines „ehrenhaften Kampfes“ Mann gegen Mann zerschlugen und ernsthafte ethnomoralische Fragen aufwarf.
  • Die „goldenen Zwanziger“ und ihr jähes Ende mit dem Beginn der Weltwirtschaftskrise 1929. Eine kulturelle Hochzeit, in der vor allem in Berlin als Zentrum Kinos, freie Bühnen, das Kabarett und mehrere Zeitschriften entstehen. Durch die zunehmende Kapitalisierung der Wirtschaft entsteht nicht nur eine bessere Schulbildung, auch die Berufstätigkeit von Frauen nimmt zu. Der Börsencrash von New York bereitet diesem Aufschwung ein rapides Ende und führt zu hoher Arbeitslosigkeit und Unzufriedenheit in der Gesellschaft.
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Die erste Erwähnung des Wortes Moderne geschah im Jahr 1888 in „Die zehn Thesen zur Moderne“ von Eugen Wolff. Die sechste dieser zehn Thesen beschreibt, dass das höchste Kunstideal nun nicht mehr die Antike sei, sondern die Moderne. Die Antike habe ausgedient und der Fortschritt sei nun so weit, dass man hohe Kunst aus dem zeitgenössischen ziehen kann. Für die Naturalisten war das die Naturwissenschaft.

Für die Literatur bedeutete dies eine Entwicklung zum Positivismus. Die Daten, die von den Sinnen ermittelt werden, können anerkannt und nicht im Sinne des Transzendenten (alles kommt von einer übergeordneten, nicht erfassbaren Kraft) interpretiert werden. Durch die neuen Erkenntnisse von Darwins Evolutionstheorie ergab sich Literatur, die die Spannungen zwischen dem sozialen Milieu und der biologischen Vererbungstheorie aufgriff.

Der französische Schriftsteller Émile Zola fordert die Schriftsteller seiner Zeit dazu auf, die Menschen wie ein Wissenschaftler zu beobachten und zu analysieren. Hierdurch sollten sie die Erkenntnisse aus ihren Beobachtungen in literarischer Form wieder. Arno Holz ging sogar so weit, eine Formel für gelungene naturalistische Werke aufzustellen:

Kunst = Natur – x

Das x ist eine Variable, die für alles steht, was nicht der Natur entspricht. Anders als bei der Epoche des Realismus soll der naturalistische Schriftsteller komplett von seiner subjektiven Meinung absehen und durch eine objektive Darstellung keinen hohen Deutungsspielraum hinterlassen. Das bedeutet für die Werke auch das Loslösen von einer Kunstsprache hin zum Umgangssprachlichen und sogar dem zuvor verpönten Dialekt.

Der Naturalismus blieb aber nicht frei von kritik. Mit der Zeit bildete sich eine neue Kunstbewegung, die mit den vom Naturalismus propagierten Werten nichts anzufangen wusste. Stattdessen besann sie sich auf das Gefühl. Der Expressionismus entstand. Das Gefühlhafte, Affektvolle und Pathetische war sowhol inhaltlich als auch formal Teil der Werke.

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Für die Werke bedeutete das ein Entstehen von Protagonisten, die einen emotionalen Ausbruch aus ihrem Alltag wagten. Die Lyrik gestaltete sich ebenfalls anders, Farben wurden wie bei der schaffenden Kunst dazu verwendet, um bestimmte Gefühlslagen auszudrücken. Themen wie die Urbanisierung und die Eindrücke des Einzelnen in der Menschenmasse wurden verarbeitet.

Im Fokus der Expressionisten stand eine neue Welt. Durch die neusten Errungenschaften der Technologie und der Wissenschaft wurden auch die deutschen Schriftsteller in eine Euphorie versetzt (Futurismus). Obwohl nicht wenige vor einem Krieg warnten, begrüßten die Meisten diesen als eine Art Bereinigung von allem schlechten und den Beginn eines neuen Zeitalters. Aus den Trümmern der apokalyptischen Zustände solle eine Erneuerung des Menschen stattfinden, der in der Lage ist, eine paradiesische Welt zu erschaffen (Messianismus).

In der Schweiz eröffneten Hugo Ball und Emmy Hennings 1916 das „Cabaret Voltaire“. Sie legten damit den Grundstein für die Kunstbewegung des Dadaismus. Für sich genommen versteht man diese Werke nur schwer. Gedichte wie „An Anna Blume“ von Kurt Schwitters oder „Karawane“ von Hugo Ball wirken, in der heutigen Zeit gelesen, unschlüssig. Wird die Literatur jedoch aus der Sicht der damaligen Zeit gelesen, ergibt sich ein Bild einer bitteren Kritik der damals herrschenden Zustände.

Die Mainstream-Literatur der damaligen Zeit war stark patriotisch eingefärbt. Sie euphorisierte und legitimierte Kriegshandlungen. Militarismus war für die Allgemeinheit positiv konnotiert und „gute“ Kunst achtete auf die Erfüllung von Form und Inhalt.

Mit ihren Lautgedichten und ihren unsinnigen Geschichten stellten sich die Dadaisten gegen ihre Zeitgenossen. Die wilhelministischen Vertreter nutzten die Sprache zur negativen Beeinflussung der Gesellschaft – das Prinzip des Dada. Dadaismus kann demnach als eine Art Anti-Kunst betrachtet werden.

Während die Kunstbewegung des Dadaismus eine sehr provokative Komponente besitzt, entsteht die Strömung der Neuen Sachlichkeit, welche wieder verstärkt naturalistische Tendenzen aufgreift. Es geht nicht mehr um die Form eines Textes, im Vordergrund steht sein Inhalt. Der Gegenwartsroman ist eine der gängigsten Formen dieser Zeit.

Protagonisten in der Neuen Sachlichkeit sind einfache Menschen. Meist in Großstädten lebend müssen sie sich mit den Irrungen und Wirrungen des alltäglichen Stadtlebens auseinandersetzen. Weitere, immer wieder auftauchende Themen sind u. a. der Konflikt zwischen den politischen Extrema vor Hitlers Machtergreifung, die Kapitalisierung der Wirtschaft und die zunehmende Emanzipation der Frau.

Werke der Neuen Sachlichkeit vermitteln ein Spannungsverhältnis zwischen Sicherheit und Unsicherheit, sowie den Vorteilen und Nachteilen von Veränderung.

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